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SPT in einem Wohnprojekt

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Kairos Karlstein e.V - SPT als Bewusstseins- und Konfliktlösungsmethode



Im Rahmen eines eintägigen Praxistages arbeiteten wir mit einer Wohngruppe, in der Menschen unterschiedlichen Alters und Lebenssituationen gemeinsam leben – darunter Familien, Rentner:innen und berufstätige Bewohner:innen. Im Mittelpunkt standen das gemeinsame Zusammenleben, geteilte Räume und wiederkehrende Spannungsfelder im Alltag.

Die Gruppe ist Teil eines gemeinschaftsorientierten Wohnprojekts im weiteren Kontext des Kairos Karlstein e.V., einer Initiative, die seit 2016 an alternativen Formen des Zusammenlebens arbeitet. Im Zentrum steht dabei die Idee des Teilens und des gemeinsamen Gestaltens von Lebensraum – verstanden als kontinuierlicher sozialer Prozess, nicht als abgeschlossene Struktur.


AUSGANGSLAGE  & FRAGESTELLUNG


Die Wohngruppe ist ein heterogener Lebensraum mit gemeinschaftlich genutzten Innen- und Außenbereichen. Unterschiedliche Lebensrhythmen, Bedürfnisse und Vorstellungen von Zusammenleben treffen hier unmittelbar aufeinander.

Wiederkehrende Themen betreffen Kommunikation, Absprachen, Lärm, Nutzung von Gemeinschaftsräumen sowie konkrete Alltagsfragen rund um Garten und Tiere, insbesondere Hühner. Diese Situationen sind Teil des täglichen Miteinanders und zugleich Ausdruck tiefer liegender Fragen von Grenzen, Verantwortung und gemeinsamer Gestaltung.


Ausgangspunkt des Tages war die Frage, wie das Zusammenleben in der Wohngruppe als gemeinsames soziales Feld wahrgenommen und verstanden werden kann – jenseits von Positionen, Argumenten oder festgefahrenen Konfliktmustern.

Im Fokus standen die Dynamiken, aus denen wiederkehrende Spannungen entstehen: Wie wird Kommunikation gestaltet? Wie entstehen Absprachen – und wo brechen sie im Alltag auseinander?


ANKOMMEN & 20-MINUTE DANCE


Der Tag begann mit einem gemeinsamen Ankommen im Raum und einer sitzenden Check-in Meditation, die den Übergang in die gemeinsame Wahrnehmung des Feldes unterstützte.

Der 20-Minute Dance ist eine SPT-Praxis im öffentlichen oder geschützten Raum, in der sich die Teilnehmenden 20 Minuten lang frei und ohne Vorgaben bewegen. Ziel ist es, die Wahrnehmung vom Denken in den Körper zu verlagern und das soziale Feld direkt körperlich erfahrbar zu machen. Im Zentrum steht nicht Ausdruck, sondern das feine Wahrnehmen von Raum, Beziehung und Bewegung im Moment.

In dieser Phase verschob sich die Aufmerksamkeit zunehmend vom kognitiven Einordnen hin zu einer verkörperten Präsenz im Raum. Der Raum begann sich als relationales social field zu zeigen, in dem sich Nähe und Distanz, Orientierung und Irritation sowie unterschiedliche Geschwindigkeiten und Dichten der Bewegung unmittelbar erfahrbar zeigten.




4 LEVELS OF LISTENING

Im Anschluss wurde mit den 4 Levels of Listening (Theory U / Otto Scharmer) gearbeitet.

Vom alltäglichen „Downloading“ vertrauter Annahmen über faktisches und empathisches Zuhören bis hin zu Momenten eines generativen Zuhörens, in dem sich das social field selbst als Quelle neuer Wahrnehmung zeigt.

Dabei wurde deutlich, dass sich die Qualität des Feldes unmittelbar verändert, abhängig davon, aus welcher Ebene des Zuhörens heraus wahrgenommen und gesprochen wird.


VILLAGE

In der Village-Phase weitete sich die Aufmerksamkeit auf den gesamten Raum der Wohngruppe aus.

Der Alltag wurde als lebendiges social field erfahrbar, in dem sich Beziehungen, Gruppenbildungen, Nähe und Distanz fortlaufend reorganisieren. Ohne feste Aufgabenstruktur entstand eine körperlich erfahrbare Exploration der gemeinsamen Räume und ihrer impliziten Regeln.

Dabei zeigte sich die Wohngruppe als ein kontinuierlich sich selbst organisierendes System, das zwischen Stabilität und Instabilität oszilliert.



STUCK PRACTICE

Im Rahmen der Stuck Practice wurden typische Situationen des „Feststeckens“ im sozialen Feld verkörpert erforscht. Ausgangspunkt war nicht Analyse, sondern die körperliche Wahrnehmung von Momenten, in denen sich Muster im System wiederholen oder nicht weiterbewegt werden können.

Diese Situationen wurden als erste Sculpture (as-is) räumlich aufgestellt und als Beziehungskonstellation im Raum sichtbar gemacht. Durch Bewegung und Reorganisation der Positionen wurde die Struktur des Musters erfahrbar.

In der Übergangsphase zur zweiten Sculpture (emerging future) zeigten sich mögliche Bewegungsrichtungen, die nicht konzeptionell entwickelt, sondern aus der verkörperten Wahrnehmung des social field heraus emergierten.


CASE CLINIC SCULPTURE

Nach einer gemeinsamen Pause begann der zweite große Arbeitsblock des Tages mit der Case Clinic Sculpture (SPT / Theory U Kontext).

Ein konkretes Anliegen aus dem Feld wurde räumlich aufgestellt und durch unterschiedliche Rollen verkörpert. Dadurch wurden Beziehungsmuster, Spannungsachsen und unausgesprochene Dynamiken im social field sichtbar.

Dieser Prozess dauerte ca. 90 Minuten und vertiefte sich im Verlauf zu einer intensiven Feldexploration. Im Anschluss folgte ein gemeinsamer Austausch sowie eine ausführliche Reflexionsphase, die den gesamten Nachmittag einnahm.

Der Fokus lag nicht auf der schnellen Lösung, sondern auf dem Erkennen der Struktur des Systems selbst und der Art, wie es sich im Raum organisiert.


CHECK-OUT & FEEDBACK

Der Tag endete mit einer gemeinsamen Feedbackrunde.

In der Reflexion wurde deutlich, dass sich die Wahrnehmung des Zusammenlebens durch die verkörperte Praxis verschoben hatte. Konflikte erschienen weniger als isolierte Probleme, sondern als Ausdruck relationaler Dynamiken innerhalb eines gemeinsamen social field.


ABSCHLIESSENDE REFLEXION

Die Wohngruppe blieb physisch unverändert.

Und doch zeigte sich das Zusammenleben im Verlauf des Tages als ein relationales social field, das durch verkörperte Praxis, Wahrnehmung und unterschiedliche Qualitäten des Zuhörens neu lesbar wurde.

Die Verbindung von 20-Minute Dance, 4 Levels of Listening, Village, Stuck Practice und Case Clinic Sculpture eröffnete einen Zugang zu den oft impliziten Ebenen des Alltags – dort, wo Kommunikation, Körper und Raum ineinandergreifen und soziale Realität kontinuierlich mit erzeugen.


Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden der Kairos Wohngruppe für diesen schönen und fruchtbaren Praxistag.

 
 
 

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