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Holistische Kommunikation

  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Interdisziplinäre Workshop-Reihe zur Transformation von Kommunikationspraxis in einer öffentlichen Institution


Kontext

Kommunikation ist für öffentliche Institutionen von zentraler Bedeutung. Sie beeinflusst wesentlich, wie wirksam politische, administrative und institutionelle Maßnahmen in der Gesellschaft ankommen. In Anlehnung an Bernanke (2015) lässt sich pointiert sagen: Ein Großteil wirksamer Steuerung geschieht nicht über Handlungen, sondern über Kommunikation.

Kommunikation findet dabei in unterschiedlichen Formen statt: in vorbereiteten Reden von Führungsebenen, in Berichten und Analysen von Fachbereichen, in wissenschaftlichen Publikationen, in direkter Kommunikation mit externen Stakeholdern sowie in der internen Abstimmung zwischen organisationalen Einheiten.

Gleichzeitig zeigt sich in vielen öffentlichen Institutionen eine zunehmende Fragmentierung: zwischen Fachbereichen, zwischen Organisation und Gesellschaft sowie zwischen unterschiedlichen Rationalitäten und Wirklichkeiten.

Diese Fragmentierung ist kein rein institutionelles Phänomen, sondern spiegelt breitere gesellschaftliche Entwicklungen wider – insbesondere die wachsende Trennung zwischen Politik und Öffentlichkeit, zwischen Menschen und Natur sowie zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen.


Ausgangsfrage

Vor diesem Hintergrund entstand die Frage, wie Kommunikation in einer öffentlichen Institution so weiterentwickelt werden kann, dass sie nicht nur informiert, sondern verbindet.

Im Zentrum stand die Hypothese, dass eine rein funktionale oder rollenbasierte Kommunikation nicht ausreicht, um komplexe gesellschaftliche Dynamiken angemessen zu adressieren.

Stattdessen wurde der Begriff der holistischen Kommunikation als Ausgangspunkt gewählt: eine Kommunikationsform, die den Menschen nicht nur in funktionalen Rollen adressiert, sondern in seiner Ganzheit – als denkendes, fühlendes, verkörpertes und relationales Wesen.


Ansatz der Workshop-Reihe

Die hier beschriebene Intervention wurde als fortlaufende Workshop-Reihe in einer öffentlichen Institution konzipiert, an der Mitarbeitende verschiedener Bereiche sowie externe Perspektiven beteiligt waren.

Ziel war es, Kommunikationspraxis nicht nur zu verbessern, sondern sie als relationales Feld erfahrbar und gestaltbar zu machen.

Die Treffen fanden im Rhythmus von ca. 2–3 Wochen für jeweils 3 Stunden statt und kombinierten dialogische, reflexive und verkörperte Methoden.

Im Zentrum stand dabei ein erweiterter Kommunikationsbegriff, der über Informationsweitergabe hinausgeht und Kommunikation als social field versteht, in dem Bedeutung, Beziehung und organisationaler Kontext gemeinsam entstehen.


Methodischer Rahmen

Die Workshop-Reihe verband unterschiedliche Ansätze aus den Bereichen:

  • Theory U (Otto Scharmer) – insbesondere die 4 Ebenen des Zuhörens und der Übergang von Reproduktion zu generativer Wahrnehmung

  • Social Presencing Theater (Arawana Hayashi) – als verkörperte Praxis zur Wahrnehmung relationaler Dynamiken im sozialen Feld

  • dialogische und reflexive Methoden zur Arbeit an organisationalen Mustern

  • explorative Formate zur Übersetzung zwischen Sprache, Körper und Systemwahrnehmung

Ziel war nicht die Vermittlung einzelner Tools, sondern die Entwicklung einer gemeinsamen Wahrnehmungsfähigkeit für kommunikative und organisationale Zusammenhänge.



Zentrale Praxislinien

1. Wahrnehmung von Kommunikation als sozialem Feld

Kommunikation wurde nicht primär als Austausch von Informationen verstanden, sondern als emergentes Feld, in dem Beziehungen, Erwartungen und institutionelle Logiken gleichzeitig wirksam sind.


2. Verkörperte Perspektive auf Organisation

Durch SPT-basierte Übungen wurde Kommunikation als verkörpertes Geschehen erfahrbar gemacht – insbesondere dort, wo Missverständnisse, Reibungen oder institutionelle Grenzen auftreten.


3. Arbeit mit den 4 Levels of Listening

Die unterschiedlichen Qualitäten des Zuhörens wurden als zentrale Hebel für Veränderung sichtbar – von rein faktischer Reproduktion bestehender Annahmen bis hin zu einem offenen, generativen Zuhören, das neue Bedeutungsräume eröffnet.


4. Integration interner und externer Perspektiven

Die Einbindung externer Teilnehmender ermöglichte eine gezielte Irritation institutioneller Selbstverständlichkeiten und eröffnete neue Perspektiven auf etablierte Kommunikationsmuster.


Beobachtete Effekte

Im Verlauf der Workshop-Reihe zeigten sich mehrere wiederkehrende Wirkungen:

  • Verschiebung von rollenbasierter zu relationaler Kommunikation

  • erhöhte Sensibilität für implizite Annahmen in institutionellen Diskursen

  • stärkere Wahrnehmung organisationaler Fragmentierung als gestaltbares Phänomen

  • verbesserte Anschlussfähigkeit zwischen internen Fachlogiken und externen Perspektiven

  • erste Ansätze einer gemeinsamen Sprache für komplexe kommunikative Situationen


Besonders bedeutsam war die Erfahrung, dass sich Kommunikationsqualität nicht allein durch neue Formate verändert, sondern durch eine Veränderung der Wahrnehmung dessen, was Kommunikation überhaupt ist.


Einordnung

Holistische Kommunikation wurde in diesem Kontext nicht als normatives Konzept verstanden, sondern als sich entwickelnde Praxis innerhalb eines größeren gesellschaftlichen Wandels.

Sie verbindet die Annahme, dass institutionelle Wirksamkeit, gesellschaftliche Kohärenz und individuelle Wahrnehmungsfähigkeit eng miteinander verschränkt sind.

Damit wird Kommunikation selbst zu einem Ort organisationaler und gesellschaftlicher Transformation.


Fazit

Die Workshop-Reihe zeigt, dass die Weiterentwicklung institutioneller Kommunikation nicht allein eine Frage von Strategie oder Technik ist, sondern eine Frage der Wahrnehmung.

Eine öffentliche Institution wird dann kommunikationsfähiger, wenn sie beginnt, Kommunikation nicht nur als Funktion, sondern als lebendiges relationales Feld zu verstehen – in dem Menschen nicht nur als Rollen, sondern als ganze Menschen beteiligt sind.


Wir sind froh, mit unsere Methoden des SPT und anderer Inteventionen beigetragen zu haben.

 
 
 

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